Tiny Personal Firewall 2.0.15
Allgemein: Die Regelerstellung kann über einen Assistenten oder auch manuell durchgeführt werden. Dazu werden ähnlich wie bei Atguard die Regeln in einem Fenster von oben nach unten angezeigt, es kann auch eine spezielle Gruppe von Adressen definiert werden (custom addresses). Ein extra Fenster widmet sich nur der Konfiguration des Microsoft Netzwerkes, wobei hier die Custom Addresses genutzt werden können um den Zugriff auf Datei und Druckerfreigabe zu beschränken. Das miscellaneous Fenster bietet auch die Möglichkeit, die Logfile auf einen extra definierten Syslog Server zu schreiben. Mit dem Aktivieren der "is running on gateway option" ermöglicht man zum einen die Policy der Firewall von deny (stealth) auf reject umzustellen und zum anderen ICS zu ermöglichen.

Die Prüfsummen registrierter Anwendungen, welche lokal oder remote Verbindungen aufbauen, befinden sich in "Application's MD5". Verändert sich der Pfad der Anwendung oder die Checksumme der Datei selber, so weist vor dem Verbindungsaufbau der Assistent auf diesen Umstand hin. Die zweite Hauptkomponente der firewall besteht aus dem Statusfenster welches die gegenwärtigen Verbindungen mit dahinterstehender Anwendung anzeigt. Die Auflistung kann nach einer beliebigen Spaltenüberschrift sortiert werden. Sehr minimalistisch fällt dagegen die Logfunktion aus, sie beherrscht weder sortiermechanismen noch gesteht sie einem daß Kopieren von Adressen in die Zwischenablage zu. Mehr überzeugen können die administrativen Funktionen, es lassen sich Passwörter für die Konfiguration und dem Statusfenstersetzen und bei Aktivierung kann sogar eine Remoteadministration durchgeführt werden.

Einsteigermodus: Der Assistent verfügt über keine Presets, bietet aber an Anwendungen komplett freizugeben. Standardmäßig wird aber dann das UDP Protokoll nicht berücksichtigt, was dann dazu führen kann daß Anwendungen nur noch sehr langsam laufen (Internet Explorer) oder gar nicht mehr funktionieren (Voicestream beim MSN Messenger). Einsteiger werden somit erst einmal vor scheinbar unüberwindlichen Problemen stehen, alles reibungslos zum Laufen zu bekommen.
Profimodus: Regeln können auch für alle Richtungen freigegeben und auf eine definierte Gruppe von Adressen angewendet werden. Alle gängigen ICMP Typen können eingestellt werden und für das Microsoft Netzwerk kann unabhängig vom Rest konfiguriert werden. ICS wird unterstützt, jedoch kann die Tiny individuelle Regeln für jedes Interface nicht unterscheiden.

Praxisbetrieb: Die praktisch nicht vorhande CPU Belastung bei 4,4 - 6,5mb RAM bleibt selbst bei extrem viele lokal geöffneten Ports konstant. Der Streßtest prallt wirkungslos an ihr ab, was bei Desktopfirewalls keine Selbstverständlichkeit ist. Auf den Testseiten offenbart die Tiny keine Schwächen, genauso wenig wie der Leaktest auch nur den Hauch einer Chance gehabt hätte. Jedoch zeigen sich bei den Hilfestellungen für Einsteiger einige Schwächen: Mit dem Assistenten erstellte Freigaben von Anwendungen berücksichtigen nur das TCP Protokoll. Erhält die Tiny zum ersten mal ein Netbiosanfrage bei aktivierten Microsoft Netzwerkfenster, so poppt ein Assistent auf, welcher nun die Konfiguration abfragt. Werden dann alle Haken aus den Optionen entfernt (weil man über kein Netz verfügt) führt das zum Absturz der Firewall. Im Multiuserbetrieb kann bei gesetzten passwort die Firewall nicht beendet werden. Auch der Prozess kann nicht über den Taskmanager gekillt werden.

Fazit: Für den Profianwender eine hervorragende Desktopfirewall, sobald man allerdings Hilfe vom Assistenten benötigt oder von den Protokollen nicht viel versteht, steht man recht hilflos da. Für Einsteiger nicht empfehlenswert.

(c) Ken für Rokop-Security